Walldorf will möglichst viele zum Klimaschutz motivieren

Stadt stellt Ausstellung mit Vorträgen und Kampagnen rund um Solarenergie, Passivhaus und alternative Mobilität vor

Walldorf. „Die internationalen Klimakonferenzen enden ohne Ergebnis, die große Politik kann nicht liefern: Wie so viele andere Aufgaben müssen die Kommunen den Klimaschutz angehen.“ Das sagte Walldorfs Bürgermeisterin Christiane Staab, als sie gemeinsam mit Christian Horny vom Fachdienst Umwelt Ausstellung und Vorträge zum Thema „Klimawandelzeiten“ vorstellte. Zwei Wochen, vom 27. Januar bis 7. Februar, stehen ganz in diesem Zeichen.

Horny sei Ansprechpartner fürs gesamte Rathaus, so Staab, beispielsweise in Sachen Materialbeschaffung, Mobilität und Energieverbrauch. Und natürlich für die gesamte Bevölkerung, daher stehe Horny den Bürgern beratend zur Verfügung und darum versuche man, mit den „Klimawandelzeiten“ ein möglichst großes Publikum zu erreichen. „Die Menschen mitzunehmen, ist eine Herkulesaufgabe“, so Staab. Es gebe Diskussionen um Verbote und Vorschriften, mehrheitlich erkenne man das Problem, „aber zu wenige sind bereit, auf freiwilliger Basis ihr Verhalten zu ändern“, meinte die Bürgermeisterin.

Der Walldorfer Wald dient Christian Horny als mahnendes Beispiel dafür, wie sich der Klimawandel auf lokaler Ebene auswirkt: Trockenheit und Hitze der letzten Sommer hätten große Schäden verursacht. Das ist ein Aspekt der Ausstellung vom 27. Januar bis 7. Februar im Rathaus. Basis ist ihm zufolge die preisgekrönte Wanderausstellung „Klimawandel zum Anfassen“ des Porsche-Gymnasiums Zuffenhausen, die seit 2008 aktualisiert und neu konzipiert wurde. Horny hat sie um neuste und vor allem lokale Daten ergänzt. Sie sei gut für Schulklassen geeignet, wünschenswert sei, auch Unterrichtsmaterial daraus zu erstellen, denn längst nicht alle jungen Leute seien „Fridays for Future“-Aktivisten und bereits für den Klimaschutz sensibilisiert. Auch für Erwachsene gebe es viel Wissenswertes, so Horny, unter den zwölf Themengebieten seien Fotovoltaik fürs Eigenheim, Passivhäuser und klimaschonende Mobilität die Schwerpunkte.

Drei Vorträge finden in den zwei Wochen statt, erläutert Horny. Bereits am Montag, 27. Januar, referiert Michael Vogtmann, Unternehmens- und Umweltberater von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie in Franken, über private Solaranlagen. Prof. Johannes Orphal, Klimaforscher am Karlsruher Institut für Technologie, erklärt am Mittwoch, 29. Januar: „Klimawandel – Was wissen wir sicher?“. Dem schließt sich eine Podiumsdiskussion unter anderem mit Bürgermeisterin Staab und Dr. Klaus Keßler von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg (KliBA) an. Architekt Martin Wamsler aus Friedrichshafen, der bereits über 100 Passivhäuser errichtet hat, liefert einen Erfahrungsbericht „vom Entwurf bis zum fertigen Haus“ am Mittwoch, 5. Februar. Die drei Vorträge finden ab 19 Uhr im Rathaus statt.

Mit dem Sonnenenergie-Vortrag startet am 27. Januar auch die Fotovoltaik-Kampagne, die im Auftrag des Landesumweltministeriums in der Region federführend von der KliBA Heidelberg durchgeführt wird. Gebäudeeigentümer sollen praxisnah über Sinn und Wirtschaftlichkeit einer privaten Solaranlage aufgeklärt werden. Leider werden laut Horny nur 20 Beratungen vom Land bezahlt, alle weiteren sollten 220 Euro kosten. „Mit solchen Preisen bringen wir niemanden dazu, sich beraten zu lassen“, meint Horny: Glücklicherweise seien die Stadtwerke Walldorf eingesprungen, „die haben auch eine Solarkampagne und übernehmen die Beratung kostenlos“.

Auch eine Kampagne zur klimaneutralen Mobilität startet Walldorf in diesem Rahmen: Mit „Climatefair Walldorf“ wird ermöglicht, den ökologischen Preis einer Reise zu ermitteln und eine Zuwendung zugunsten des Walldorfer Bürgerfonds für Klimaschutz zu zahlen, der regionale Klimaschutzprojekte fördert. Laut Bürgermeisterin Staab nutzt die Stadt „seit 2016 Climatefair für alle Dienstreisen“.

Das Ergebnis des „Living Lab“-Quartierskonzepts für Walldorf-Mitte wird Horny zufolge am 31. Januar vorgestellt. 40 Haushalte und Firmen sind hier in einem ihm zufolge international beachteten Projekt vernetzt worden, um gemeinsam erneuerbare Energien zu nutzen. Das Ziel: sparen, das Klima schonen und vielleicht sogar von externer Energieversorgung autark werden. Vom Spargelmarkt sind noch sparsame LED übrig, daher bietet die Stadt wieder einen Tauschtag an, an dem Bürger ihre alten Glühlampen vorbeibringen können, um sie gegen moderne Leuchtmittel zu tauschen.

Die Stadt selbst bleibt am Klimaschutz dran, so Bürgermeisterin Staab, plant etwa über die Stadtwerke fünf weitere Elektro-Ladestationen dieses Jahr. Um den Bus als Alternative zum Privatauto attraktiver zu machen, sollen zudem auch elektronische Infotafeln an den Haltestellen installiert werden. Die Thermografie-Aktion, mit der Wärmeverluste und damit Energieverschwendung durch schlechte Gebäudedämmung aufgedeckt werden soll, läuft, so Christian Horny. Gut 50 Teilnehmer waren es ihm zufolge beim letzten Mal, in diesem milden Winter weniger, zirka 20. Selbstverständlich wird die Beratung durch Christian Horny selbst und zudem die KliBA im Rathaus fortgeführt. Leider gescheitert ist Walldorf damit, einen „Sanierungsmanager“ zu gewinnen, so Staab. Man müsse die Bürger in Sachen klimafreundlicher Modernisierung des Eigenheims konkret beraten, aber es mangle an Fachkräften. (seb)

Info: Ansprechpartner ist Christian Horny vom Umweltamt der Stadt Walldorf, Kontakt unter Telefon 06227 351231 oder per E-Mail an christian.horny@walldorf.de.

Rhein-Neckar Zeitung - Ausgabe: Wiesloch/Walldorf | 5 Wiesloch


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