Wärmenetz findet großen Anklang

Auftragsvergabe für Rathaus, Harres, Hallenbad und Jugendzentrum in St. Leon-Rot

St. Leon-Rot. Vom Nahwärmenetz am Rathaus kann St. Leon-Rots Gemeinderat nicht genug bekommen: Kaum war das Angebot des günstigsten Bieters („Contractor“) in der jüngsten Sitzung dargelegt worden, begannen die Überlegungen, nicht nur Rathaus, Harres, Hallenbad und noch gar nicht errichtetes Jugendzentrum anzuschließen. Erfreut wurde zur Kenntnis genommen, dass die evangelische Kirchengemeinde und das Caritas-Seniorenzentrum schon Verhandlungen mit dem Bieter aufgenommen haben.

Und prompt gingen die Fragen an die St. Leon-Roter Klimaschutzbeauftragte Bernadette Knaus und Dr. Klaus Keßler von der Heidelberger Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA), wie weit das Netz erweitert werden kann: zum geplanten Neubau des Vereins „Smile“ und anderen Vereinsheimen? Zum Gewerbegebiet „Schiff II“? Unter der Autobahn hindurch zur Kramerschen Mühle?

„Flexibel und erweiterbar“ sei das Netz sicher, erklärte Bernadette Knaus, es habe aber seine Grenzen: Mit der Entfernung steige der Aufwand und damit der Preis. Auch Klaus Keßler wollte ungern spekulieren, es sei abhängig von der Zahl der künftigen Nutzer beziehungsweise der Abnahmemenge. Aber der „Puffer“ sei durchaus groß „und im Harres ist noch Platz für einen weiteren Kessel“.

Zunächst aber bleibt es von Gemeindeseite aus bei Rathaus, Harres, Hallenbad und Jugendzentrum, der Beschluss fiel mit 21 Ja-Stimmen und einer Enthaltung. Die vier Gebäude haben einen Gesamtbedarf von 1760 Megawattstunden Wärme und 720 Megawattstunden Strom pro Jahr. Im über 20 Jahre laufenden Vertrag festgelegt sind jährliche Kosten von 165 000 Euro. Doch nicht nur die flossen in die Bewertung des Angebots ein, auch die Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes, Steigerung der Energieeffizienz in den Gebäuden sowie Betrieb und Wartung des Netzes.

Auf die Anregung der Grünen, die Gemeinde solle das Wärmenetz in Eigenregie betreiben, verwies Bauamtsleiter Werner Kleiber zunächst auf den zuvor gefassten Beschluss des Rats, einen externen Contractor zu beauftragen: Die Ausschreibung sei nicht mehr aufhebbar. Außerdem gebe es im Rathaus weder die Erfahrung noch die Spezialisten, um ein Wärmenetz dieser Art zu stemmen, zurzeit seien Fachkräfte auch äußerst schwer zu finden. Und schließlich hätten die Untersuchungen der Experten von KliBA und auch KEA, Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg gezeigt, dass die Gemeinde durch die Contracting-Lösung rund 30 000 Euro im Jahr spart.

Für die Freien Wähler war dies die bessere Option, dieses Wärmenetz sahen sie aber nur als „Startschuss“ für weitere kommunale Projekte im Rahmen der Energiewende. Ähnlich sah es die SPD. Für Union, CDU und Junge Liste ergab das Konzept Sinn, man sah auch rechtliche Hürden, sollte die Gemeinde als Energieversorger etwa an Caritas oder Kirchengemeinde herantreten, und vor allem Probleme beim Gewinnen des nötigen Sachverstands. Für die FDP wesentlich war, dass die erforderliche Technik im Gebäudebestand untergebracht werden kann und kein Neu- oder Anbau nötig wird.

Allgemein bedauert wurde, dass Bernadette Knaus noch keine Zahlen zur erwarteten Verbrauchssenkung und Kostenersparnis durch das Wärmenetz gegenüber der derzeitigen Energieversorgung der vier genannten Liegenschaften vorlegen konnte.

Für den Neubau des Jugendzentrums wurden in der Sitzung einstimmig Elektroarbeiten für rund 316 000 Euro vergeben. An der Mönchsbergschule in St. Leon geht es ebenfalls weiter, nachdem der Rohbau steht nämlich im Innern des Anbaus: Elektro-, Sanitär- und Heizungsarbeiten wurden einstimmig für zusammen 169 000 Euro an die günstigsten Bieter vergeben. Die Gesamtkosten für den Anbau wurden ursprünglich auf 865 000 Euro beziffert, nach aktuellem Stand werden es etwas über 841 000. (seb)

Wieslocher Nachrichten - Walldorfer Rundschau vom Montag, 5. November 2018, Seite 5

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