Startschuss für gezielten Klimaschutz

Dielheims Rat verabschiedete eigenes Konzept mit insgesamt 30 Maßnahmen, darunter die Sanierung gemeindeeigener Gebäude

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Die Sanierungsarbeiten an der Dielheimer Leimbachtalschule gehen voran. Sie und andere Modernisierungen gemeindeeigener Gebäude sind Teil des Klimaschutzkonzepts, für das der Rat jetzt den Startschuss gab. Foto: Pfeifer

Dielheim. (seb) Höchste Zeit für den Startschuss des Klimaschutzkonzepts: Das meinte Bürgermeister Thomas Glasbrenner in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Kulturhalle, in der Gemeinderäte, Verwaltungsmitglieder und Besucher wegen der Corona-Bestimmungen in großem Abstand zueinander platziert waren. Bei einmal Nein und zwei Enthaltungen wurde dieser Startschuss gegeben.

Das Konzept wurde, wie Glasbrenner erinnerte, von 2016 bis 2018 von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg (KliBA) erarbeitet: Es steht online auf www.dielheim.de. Seither habe man es nicht vorantreiben können, vor allem wegen personeller Wechsel in der Verwaltung, allen voran der Neuwahl von Glasbrenner selbst zum Nachfolger von Hans-Dieter Weis.

Jetzt aber habe man die nötige Luft und die Expertise, da auch die Stelle einer Umwelt- und Klimaschutzmanagerin in der Verwaltung geschaffen und im März dieses Jahres besetzt werden konnte: mit Imke Maria Victoria Fernandez nämlich. Ihre Stelle wird bis Juni von der Arbeitsagentur gefördert, dann wird die neue Halbtagesstelle zu 65 Prozent vom Bundesumweltministerium bezuschusst.

30 „zielgruppenspezifische Maßnahmenvorschläge“ sieht das Klimaschutzkonzept vor, wie Fernandez darlegte. Feinheiten, besonders soziale und lokalwirtschaftliche Aspekte, kann man ihr zufolge bei der konkreten Umsetzung anpassen. Alles kann nur in dem Umfang stattfinden, den die Finanzen zulassen und der Gemeinderat behält das Heft in der Hand, er entscheidet über größere Projekte gesondert. Der Bürgermeister kann kleinere Maßnahmen angehen, sofern sie das ihm zustehende Budget von 5000 Euro nicht überschreiten.

Auf eine bereits laufende Maßnahme wurde mit einem Blick nach nebenan hingewiesen: die Sanierung der Leimbachtalschule. Moderne Dämmung, neue Fenster, effiziente Heiz-, Kühl- und Lüftungsanlagen, eventuell Fotovoltaik und weitere erneuerbare Energien, durch all dies können die Treibhausgasemissionen der gemeindeeigenen Liegenschaften gesenkt werden. In der Sitzung wurden auch weitere Aufträge im Zug der Schulsanierung vergeben: für rund 387 000 Euro. Das liegt, wie alle erfreut feststellten, weit unter den Schätzungen.

Weitere Punkte im Klimaschutzkonzept sind der Umstieg des Verwaltungsteams auf Fahrrad, Pedelec oder Elektro-Roller für lokale Dienstwege sowie die Wahl „nachhaltiger Geldanlagen“, beispielsweise die Investition in die Erzeugung erneuerbarer Energien.

Die Gemeinde wird aber nicht allein für merkliche Senkungen des Treibhausgasausstoßes sorgen können, machen ihre Liegenschaften doch nur einen kleinen Teil des „ökologischen Fußabdrucks“ Dielheims aus. „Wir müssen die Bürger beteiligen“, betonte Thomas Glasbrenner, „sie sind wichtige Rädchen im ganzen Getriebe“. Man müsse informieren, sensibilisieren, motivieren: „Sonst funktioniert es nicht.“

Das hatte auch Tobias Dörre (CDU) – neben der Mahnung, die Kostenseite immer im Blick zu behalten – zu bedenken gegeben: Ohne das Engagement der Bürger drohe die Gefahr, dass die Gemeinde einiges starte, womöglich für viel Geld, aber mit wenig bis keinem Effekt. Und Förderprogramme für Privatleute müssten auch angenommen werden – das geschehe aber nur, wenn nennenswerte Beträge ausgeschüttet würden, und das werde für die Gemeinde etwa im Fall von neuen Fenstern oder Fassadendämmungen teuer.

Dem konnte Bürgermeister Glasbrenner nicht widersprechen, verwies aber auf „die Vorbildfunktion der Gemeinde“: Ohne dieses Konzept und die klare Willensbekundung könne man die Bürger wohl kaum überzeugen, sich am Klimaschutz zu beteiligen. Durch Zukunfts- und Nachhaltigkeitswerkstätten der Gemeinde, an denen Bürger mitwirken können, habe man bereits klargemacht, dass man handeln müsse „und dass wir etwas bewirken können“.

Das Konzept sieht beispielsweise auch die Nutzung von Solarthermie oder die Umstellung auf Ökostrom vor, außerdem eine Heizungspumpen-Tauschaktion – andere Gemeinden haben bereits Unterstützung bei der Erneuerung geleistet. Außerdem sollen Kinder für den Klimaschutz begeistert werden, durch Projekttage in den Schulen oder durch das Bilden besonderer Teams: Die sollen dann fürs Energiesparen an den Schulen zuständig sein oder – ähnlich wie beim „Stadtradeln“, an dem Dielheim schon teilnimmt – per Rad oder zu Fuß unterwegs zu Schule, Vereinen oder Freunden die „umweltfreundlichen Kilometer“ sammeln.

Das Zertifikat der „Fair Trade Town“ ist ebenfalls im Konzept vorgesehen: Es soll belegen, dass die Gemeinde auf „Fairen Handel“, also etwa auskömmliche Löhne für Erzeuger oder Umweltschutz möglichst in der ganzen Wertschöpfungskette, achtet.

Für Gewerbebetriebe ist im Konzept eine eigene „Energiekarawane“ angedacht, ein Projekt von KliBA, Bundesumweltministerium und weiteren Akteuren. Dabei besucht ein neutraler Energieberater das Unternehmen kostenlos und gibt Impulse, wo Energie oder sonstige Ressourcen gespart werden können, wie der CO2-Ausstoß gesenkt werden kann und welche Fördermöglichkeiten es gibt. In solche Bemühungen sollen auch die Landwirte eingebunden werden.

Zudem taucht der Verkehr auf allen Grafiken des Klimaschutzkonzepts als wesentlicher Faktor auf: sowohl bei Energieverbrauch als auch bei klimaschädlichen Emissionen. Ein „Laufender Schulbus“ anstelle der „Elterntaxis“, der beispielsweise in Wiesloch gut angenommen wurde, ist ebenso genannt wie Tempo 30 als Ansatz, weniger Abgase auszustoßen und dabei für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen.

„Wir wollen uns weitergehende Ziele setzen“, kündigte Josef Blum für die SPD an: Aktuell habe Dielheim mit der Corona-Krise andere Probleme und als erster Einstieg könne man das Klimaschutzkonzept akzeptieren. Doch nach der Krise wolle man hier wieder klare Prioritäten setzen und mehr erreichen, als das Konzept bisher vorsehe, „denn da geht es um unsere Zukunft und die unserer Kinder“. Ute Sendner (Bürgerinnen) konnte zustimmen, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass der Gemeinderat die Hoheit über die Maßnahmen behält.

Klaus Eberle (CDU) kritisierte das Konzept als zu einseitig: Statt nur auf eine CO2-Reduktion ausgerichtet zu sein, sollte es den Gesamtzusammenhang, etwa auch die Förderung der Biodiversität, beinhalten. Auf Eberles Frage bestätigte Glasbrenner, dass das Konzept für viele, wenn auch nicht alle einschlägige Zuschüsse von Land oder Bund Voraussetzung sei.

©Rhein-Neckar Zeitung | Wiesloch/Walldorf | WIESLOCH-WALLDORF | 3 | Donnerstag, 30. April 2020

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