Stadtbibliothek verleiht Strommessgeräte

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Stefanie Dott (v. l.), Eva Löwe und Dr. Klaus Keßler stellen die Strommessgeräte vor, die es in der Bibliothek zu entleihen gibt. © Lenhardt

Von Stefan Kern

So geht’s zum Verleih

Die Strommessgeräte gibt es in der Stadtbibliothek Schwetzingen, Invalidenkaserne, Eingang Kronenstraße, Telefon 06202/87-271, E-Mail: stadtbibliothek@schwetzingen.de. Sie können derzeit wie Bücher telefonisch oder per E-Mail bestellt werden. Je nach Wunsch wird das Strommessgerät gebracht oder es kann kontaktlos abgeholt werden.

Auf den einzelnen Bürger heruntergerechnet, hört es sich nach einer Petitesse an: Aufgrund von Leerlaufverlusten wie Stand-by-Betrieb oder Netzteil in der Steckdose gehen einem durchschnittlichen Haushalt in Deutschland, so der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg (KLiBA), Dr. Klaus Keßler, am Tag und pro Kopf rund 20 Cent verloren.

Auf rund 83 Millionen Menschen gerechnet summiert sich das am Ende auf knapp über sechs Milliarden Euro. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch einer Großstadt wie Berlin, so der KLiBA-Experte. Und das für nichts, außer vielleicht etwas Bequemlichkeit. Eine Bequemlichkeit, die unterm Strich rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) freisetzt.

Die effektivste Waffe gegen diese Verschwendung ist in den Augen Keßlers und der Schwetzinger Klimaschutzmanagerin Stefanie Dott das Bewusstsein. Wer wirklich wisse oder ein Gefühl dafür bekomme, wie da Strom fließe, ändert vielleicht sein Verhalten. Genau deshalb ist die KLiBA nun mit der Stadtbibliothek eine Kooperation eingegangen, in dessen Kontext Bibliotheksnutzer für je zwei Wochen kostenlos Strommessgeräte ausleihen können, um sich Zuhause auf die Fährte des Stroms zu begeben.

Die unsichtbare Unbekannte

Strom ist unsichtbar. Das könnte den bisher eher sorglosen Umgang befördern. In den vergangenen 20 Jahren sind sämtliche elektrische Geräte deutlich effizienter geworden. Heißt: Sie verbrauchen weniger Strom. Zugleich sind die Geräte größer und vor allem mehr geworden. In der Wissenschaft spricht man vom Rebound-Effekt. Der Vorteil der Effizienz wird durch das Mehr und das Größer zunichtegemacht. In der Folge sinkt der Energieverbrauch weit weniger als erwartet. Und das habe aufseiten der Menschen, davon waren Keßler, Dott und Eva Löwe von der Stadtbibliothek überzeugt, vor allem mit Nichtwissen und weniger mit Unvernunft zu tun. Diesem Nichtwissen wollen die drei mit den leihbaren Strommessgeräten ab sofort zu Leibe rücken.

Einfaches Prozedere

Das Prozedere ist denkbar einfach: Das Strommessgerät wird zwischen Steckdose und Elektrogerät gespannt. Es zeigt den aktuellen Stromverbrauch und vermittelt rasch einen Eindruck vom tatsächlichen Verbrauch. Zum einen, so Keßler, kann einem das bei der Entscheidung für oder gegen einen neuen Kühlschrank helfen. Neuere Geräte brauchen bei gleicher Kühlleistung teils spürbar weniger Energie. Viel wichtiger ist ihm der Bereich der versteckten Stromfresser. Neben Fernseher im Stand-by-Betrieb geht es hier vor allem um Drucker, PCs, DVD-Spieler, Stereoanlagen und Spielekonsolen. Es ist ein eindrückliches Erlebnis zu sehen, wie scheinbar ausgeschaltete Geräte Energie verbrauchen.

Natürlich halte sich der Effekt des Ausschaltens für den Einzelnen in Grenzen. Global gesehen wäre mit diesem kleinen Schritt aber einiges erreicht. Es kämen wohl Minderemissionen von vielen 100 Millionen Tonnen CO2 zusammen und das mache einen Unterschied. Ein Ansatz, von dem Keßler und Dott zutiefst überzeugt sind. Das Bewusstsein für die Verantwortung und in der Folge das veränderte Verhalten des Einzelnen mache einen Unterschied. Am Ende entscheiden kleine Schritte von möglichst vielen mit darüber, ob die Energiewende gelingt.

© Kern, Schwetzinger Zeitung, 13. Mai 2021

 



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