Der Kreis muss mehr für den Klimaschutz tun

Treibhausgasbilanz für 2010 bis 2015 vorgelegt – Lokale Stromerzeugung durch Sonnenenergie und Wasserkraft fällt zu gering aus

Rhein-Neckar. Will man die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzen, dann muss der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen reduziert werden. Dies setzt voraus, dass alle Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen in den kommenden 40 Jahren um mindestens 80 Prozent verringern. Baden-Württemberg müsste dazu die Emissionen bis 2020 um mindestens 25 und bis 2050 um 90 Prozent senken.

Ob dies auch vor der eigenen Haustüre gelingen kann, darüber gibt die von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (KliBA) für den Rhein-Neckar-Kreis erstellte Energie- und Treibhausgasbilanz für 2010 bis 2015 wichtige Hinweise. Ein erster Blick auf die Zahlen ist erfreulich, zeigt er doch, dass der Endenergieverbrauch im Kreis im Beobachtungszeitraum um fast fünf Prozent von 14 582 auf 13 887 Gigawattstunden (GWh) gesunken ist.

Gleichzeitig nahmen die Treibhausgasemissionen um 6,1 Prozent ab. Vor allem die privaten Haushalte haben dazu beigetragen, den Energieverbrauch zu senken. Dieser war 2015 um 8,1 Prozent gegenüber dem fünf Jahre zuvor gemessenen Wert zurückgegangen.

Bei genauerer Betrachtung der Zahlen ist dieses Ergebnis aber nicht mehr ganz so positiv. „Das ist vor allem auf die warme Witterung zurückzuführen“, erläuterte KliBA-Geschäftsführer Klaus Keßler den Mitgliedern des Kreistags-Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft.

Berücksichtigt man diese äußeren Einflüsse, dann sei der Energieverbrauch in den privaten Haushalten tatsächlich um 2,5 Prozent gestiegen. Was vor allem wiederum daran liegt, dass das Jahr 2015 überdurchschnittlich warm war und somit bis zu sechs Prozent an Heizenergie weniger verbraucht wurde als in den Vorjahren.

Relativ unabhängig von der Witterung ist der Energieverbrauch beim verarbeitenden Gewerbe, das Wärme vor allem als Prozesswärme benötigt. Der Endenergieverbrauch aller Betriebe lag bei 4785 GWh im Jahr 2015, was einem Rückgang um gut sieben Prozent gegenüber 2010 entspricht.

Die Prognose bis 2020 fällt allerdings weniger positive aus, denn es wird erwartet, dass die gesteckten Ziele nicht erreicht werden. Überhaupt nicht zurückgegangen ist der Energieverbrauch im Verkehrsbereich. 4457 GWh betrug dieser 2010 und bis 2015 stieg er um fast zwei Prozent auf 4539 GWh an. Den größten Anteil daran hat der motorisierte Individualverkehr mit 68 Prozent. Der Güterverkehr mit leichten und schweren Lkws macht 32 Prozent aus.

Berücksichtigt man nun bei der Treibhausgasbilanz die Witterungseinflüsse, nahmen die Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2010 bis 2015 nicht mehr um gut sechs Prozent ab, sondern nur noch um gut zwei Prozent. Wie sich die Bilanz in den kommenden Jahren verbessern lässt, zeigte Keßler am Beispiel der genutzten Energie und ihrer Erzeugung.

2800 GWh Strom wurden 2015 im Kreis verbraucht. Davon waren aber nur 13 Prozent auf lokaler Ebene etwa durch Photovoltaik-Anlagen oder Wasserkraftwerke erzeugt worden. „Bei der lokalen Stromerzeugung müssen wir uns steigern und gleichzeitig den Stromverbrauch reduzieren“, nannte Keßler eine Vorgehensweise, um die Treibhausgasemissionen zu senken. Von Stefan Zeeh

Region Heidelberg vom Samstag, 17. November 2018, Seite 10

 



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