Jeder kann etwas gegen den Klimawandel tun

Mühlhausen bringt zusammen mit den Bürgern sein Klimaschutzkonzept auf den Weg

Mühlhausen. (heb) „Geht’s noch lang“, fragt Bürgermeister Jens Spanberger besorgt, als sich der Balken bedenklich dem Durchschnitt annähert. Bei der Auftaktveranstaltung zum Klimaschutz in der Gemeinde Mühlhausen probiert er den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes aus, mit dem jeder seine persönliche CO2-Bilanz und entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten ermitteln kann. Nicht nur die Ölheizung, auch Ernährungsgewohnheiten, Flugreisen und Hotelübernachtungen schlagen überraschend deutlich zu Buche. Jetzt kommt nur noch der allgemeine Konsum, beruhigt Alexander Fucker von der MVV Regioplan. „Durchschnittlich“, gibt der Bürgermeister an und ist überrascht, welchen Satz nach oben der Balken macht.

Klimaextreme häufen sich, das ist inzwischen auch hierzulande deutlich spürbar. „Ein ‚weiter so’ gibt es nicht“, machte der Bürgermeister bei der Begrüßung deutlich. Er zitiert Barack Obama mit den Worten: „Als Präsident und Vater weigere ich mich, einen Planeten zu hinterlassen, der nicht mehr repariert werden kann.“ Spanberger hatte die Bürger eingeladen, zusammen mit der Gemeinde ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln. „Was kann jeder tun?“, das sei die Frage. Die Gemeinde gehe mit energetischen Sanierungen und der Umstellung auf LED-Leuchten voran, doch die kommunalen Gebäude machten nur einen kleinen Teil der örtlichen CO2-Emissionen aus.

Mehr als zehn Tonnen CO2 verursacht der Durchschnittsbürger in Deutschland pro Jahr. Viel zu viel, sagt Klaus Keßler von der unabhängigen regionalen Energieberatung KliBA. Ziel sei, den Klimawandel beherrschbar zu machen. Dafür müssten die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Kopf auf 2 bis 2,5 Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Ernährung, Wohnen, Konsum und Mobilität gingen in die persönliche CO2-Bilanz ein. „Wir brauchen die Kooperation mit den Kommunen“, betont Jürgen Obländer vom Eigenbetrieb Bau und Vermögen des Rhein-Neckar-Kreises und nennt das Klimaschutzkonzept des Kreises, an dem sich 52 von 54 Gemeinden beteiligen.

„Was denken Sie eigentlich, womit sollen wir anfangen?“, fragt Umweltbeauftragte Dr. Brigitta Martens-Aly die Bürger. An drei Thementischen will sie zusammen mit anderen Experten Anregungen und Ideen der Teilnehmer aufnehmen. Zum Thema Erneuerbare Energien in Form von Strom und Wärme haben sich fachkundige Bürger zusammengefunden: ein Physiker, ein Architekt und zwei Handwerker. Schnell ist klar: Es gibt erhebliches Potenzial in der Gemeinde. Diskutiert wird aber auch die Speicherproblematik. „Wie bringe ich Ökologie und Ökonomie so in Einklang, dass die Akzeptanz da ist?“, bringt es Markus Prien von der MVV Regioplan auf den Punkt.

Mit Martens-Aly betreut Annette Vossik vom Mühlhausener BFE Institut für Energie und Umwelt die Themen Mobilität und Gewerbe. Das Interesse der Bürger ist groß und es sprudeln die Anregungen: Carsharing fördern, die Attraktivität des ÖPNV steigern und das bestehende Angebot bekannter machen, Gewerbebetriebe motivieren, ihre Einsparpotenziale zu nutzen, Baugebiete so steuern, dass sie energieeffizient sind, und Möglichkeiten finden, auch die Gebäude im Bestand zu erreichen. „Wir hätten noch zwei Stunden weitermachen können“, freut sich Vossik.

„Schade dass ich so allein war an meinem Tisch, ich hatte gedacht, dass das Thema ‚private Haushalte’ jeden interessiert“, sagt Alexander Fucker. Doch neben dem Bürgermeister interessierte sich auch eine besonders engagierte Bürgerin. Sie wohnt in einem Mehrfamilienhaus und will die Eigentümergemeinschaft dazu bewegen, sich rechtzeitig Gedanken über eine neue und umweltfreundliche Heizanlage zu machen, bevor diese ausfällt und schnell Ersatz beschafft werden muss. In Mühlhausen, wo viel mit Erdöl und Erdgas geheizt wird, sei das Potenzial groß, bestätigt Fucker. Bürgermeister Spanberger stellte in Aussicht, das kostenlose Beratungsangebot der KliBA im Ort noch mehr bekannt machen zu wollen.

Ein großer Teil der Teilnehmer füllte einen Fragebogen aus und bekundete sein Interesse an einer weiteren Mitarbeit am Klimaschutzkonzept der Gemeinde.

Wieslocher Nachrichten - Walldorfer Rundschau vom Montag, 21. September 2015

<< vorherige Seite »Hirschberg_ Quartierkonzept)« 

 



Erneuerbare Energien