100 Seiten für den Klimaschutz

Nach Schwetzingen verabschiedet auch Brühl ein wegweisendes Konzept – Emissionen reduzieren

Brühl. Einen „Paukenschlag“ nannte Bürgermeister Ralf Göck das integrierte Klimaschutzkonzept für Brühl. Zwar habe sich die Gemeinde längst mit Maßnahmen und einem ambitionierten Umweltförderprogramm umgestellt. Aber dieser von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA) ausgearbeitete Plan biete einen systematischen Überblick. Wo steht Brühl jetzt? Wo soll es in Sachen Klimaschutz hinrücken? Der Katalog weist den Weg. „Wir nehmen den Klimaschutz ernst“, lautete der Tenor quer durch alle Fraktionen.

Das integrierte Klimaschutzkonzept für die Hufeisengemeinde, rund 100 Seiten stark, umfasst 33 Maßnahmen und nimmt als Referenzpunkt 2014 – ein Jahr mit insgesamt 152 Gigawattstunden Endenergieverbrauch. 60 Prozent davon entfallen auf den Bereich der privaten Haushalte, 19 Prozent auf den Verkehr, 16 Prozent auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, drei Prozent auf die kommunalen Liegenschaften und zwei Prozent auf den Bereich Industrie.

Brühl hatte dabei jährliche CO2-Emissionen in Höhe von rund 55 000 Tonnen – klar zu viel. Das Konzept verspricht nun in Brühl eine Minderung der Emissionen um 37 Prozent allein bis 2030, wenn die ambitionierten Maßnahmen verwirklicht werden. Das wären Einsparungen von deutlich über 20 Tonnen CO2 in zwölf Jahren.

Das gefiel Michael Till (CDU). Das Konzept sei ein ernst zu nehmender Leitfaden für die Zukunft. Auch Hans Zelt (SPD) war überzeugt. Erstens würde klar, was schon alles unternommen wurde, und zweitens könnte so eine Nachahmer-Welle ausgelöst werden. Ganz ähnlich drückten Jens Gredel (FW) und Ulrike Grüning (Grüne) ihre Unterstützung aus. Grüning kritisierte jedoch, dass ein flächendeckendes Tempolimit auf 30 Stundenkilometer nicht vorgesehen ist. Ziel ist es, so steht es im Konzept, dass der Bürger freiwillig seine Geschwindigkeit reduziert. Das ist ihr zu wenig. Trotzdem sei das Konzept ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wie auch die Schaffung einer Vollzeitstelle für einen Klimaschutz-Manager. Dessen Kosten fördert zu 65 Prozent der Bund.

Mit dem einstimmigen Beschluss geht die Gemeinde aber nicht alle 33 Punkte gleichzeitig an. Wo die Priorität liegt, soll gemeinsam mit dem neuen Klimaschutzmanager besprochen werden. Neben einem Kommunikationskonzept und einer Arbeitsgemeinschaft Klimaschutz rücken vor allem der Ausbau der Fernwärme, ein Austausch von Heizungspumpen, das Brühler Radwegenetz und der Laufende Schulbus in den Fokus. (stek)

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Schwetzinger Nachrichten vom Donnerstag, 26. Juli 2018, Seite 3


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