Viele kleine Schritte zum großen Ziel

Erster Klima-Stammtisch traf sich in Schwetzingen – Thema war die energetische Sanierung – Hausbesitzer können viel Geld sparen

Schwetzingen. Erst vor wenigen Tagen stellte die Stadt Schwetzingen ihr Klimakonzept vor. Viel Papier und noch mehr Ideen, die nun mit Leben gefüllt werden sollen. Auch der städtische Klimabeauftragte Patrick Cisowski weiß, dass jetzt die Bewährungsprobe ansteht. So wie aktuell beim Klima-Stammtisch im Schlossgartenrestaurant „Blaues Loch“.

Dabei schielte Cisowski nicht nur auf die Teilnehmerzahl. Darum gehe es nicht, sagte er. Viel wichtiger sei es, das Thema am Laufen zu halten und kontinuierlich Anstöße zu liefern. Denn das Ziel des Klimaschutzkonzepts, bis 2025 von den neun Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf auf fünf Tonnen zu kommen, gelinge nur gemeinsam mit den Menschen.

Das Thema dieses ersten Stammtischs war klug gewählt. Die energetische Sanierung betrifft viele Bürger. Haus- und Wohnungsbesitzer können den Klimaschutz hautnah erleben. Von der Fassadendämmung über neue Fenster bis zur Dachsanierung zeigten diese Maßnahmen eine konkret erlebbare Wirkung.

Ebenfalls Wirkung haben Aufnahmen einer Wärmebildkamera, die die AVR Kommunal gemeinsam mit dem Unternehmen Delta in der Region anbietet. Kurz erläuterten Nadine Hölden von der AVR und Jörg Pohlhaus von Delta die Thermografie-Aktion. Dabei handelt es sich um Aufnahmen, die über die Visualisierung der Wärmestrahlung mögliche Wärmeverluste schnell aufdecken. Bei einem durchschnittlichen Haus aus den 1980er-Jahren geht mit rund 35 Prozent die meiste Wärmeenergie durch die Wände verloren. 30 Prozent sind es über das Dach, 25 über die Fenster und zehn Prozent am Boden.

Entsprechend kann schon der Austausch von Fenstern den Energieverbrauch um ein Viertel senken. Es gebe zahlreiche Maßnahmen, die von Fall zu Fall Einsparungen von mehr 50 Prozent mit sich brächten. Noch wichtiger, so ergänzte Cisowski, sei es mit Blick auf die kommenden Generationen einen zwar kleinen, aber eben doch wichtigen Beitrag zum Klimaschutz geleistet zu haben. Für die Stadt sei die energetische Sanierung ein eminent wichtiges Thema, sodass es von der thermografischen Aufnahme bis zur eigentlichen Sanierung zahlreiche Fördertöpfe gebe.

Die Wärmebildaufnahmen inklusive erster Bewertung, die mit 195 Euro zu Buche schlagen, werden von der Stadt mit 50 Euro bezuschusst. Oft rege das Bild, das den Wärmeverlust eindrücklich demonstriere, zum Handeln an. „Niemand will ja nach draußen heizen“, so Cisowski.

Ein Satz, den auch der Klimaschutzexperte Oliver Prahl von der KliBA dick unterstrich. Er erinnerte daran, dass die Energieberatungsagentur KliBA 14-tägig jeweils montags zwischen 16 und 18 Uhr in der Wildemannstraße 1 eine kostenlose Beratung anbiete. Dabei könnten dann über die reine energetische Sanierung hinaus auch Fotovoltaikanlagen, Batterien-Speicher und die Elektromobilität erörtert werden.

Es gebe enorm viel zu tun. Hinter dem Großprojekt „klimafreundliches Schwetzingen“ würden sich Hunderte kleine Schritte und Maßnahmen verbergen, sagte Cisowski. Jede Aktion helfe dabei, die Stadt klimafreundlicher zu machen. Es gebe angesichts der Größe und Komplexität des Themas keinen Grund, nachzulassen. „Wenn jeder seinen Teil macht, entsteht auch eine angemessene Antwort auf den Klimawandel“, sagte Stolze. Von Stefan Kern

Fi Info: Das Klimabüro in der Wildemannstraße 1 ist montags, dienstags und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet, donnerstags von 8 bis 12 sowie von 14 bis 18 Uhr. Ansprechpartner ist Patrick Cisowski, erreichbar unter Telefon 06202/8 74 81 oder per E-Mail an: klimaschutz@schwetzingen.de.

Schwetzinger Nachrichten vom Donnerstag, 12. April 2018, Seite 3

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