„Klimawandel-Leugner“ erhitzt die Gemüter

Vortrag im Erlebnismuseum Fördertechnik schlägt hohe Wellen – Ausladung des Referenten Prof. Horst-Joachim Lüdecke gefordert

Sinsheim. Schon lange vor der Fridays-for-Future-Bewegung und dem Bau der Klima-Arena, die im Oktober eröffnet werden soll (die RNZ berichtete), hat man sich in der Elsenzstadt um die Energiewende Gedanken gemacht. Das Erlebnismuseum Fördertechnik wollte hier nicht zurückstehen und hat deshalb für heute Abend, 19 Uhr, zu einem Fachvortrag eingeladen: Als Referent wurde Prof. Horst-Joachim Lüdecke (Foto: privat) verpflichtet, der „Naturgesetzliche Schranken der Energiewende“ aufzeigen will. Doch die Veranstaltung stößt bei mehreren hiesigen Institutionen, die sich mit dem Thema beschäftigen, auf Unverständnis.

„Diese Person ist kein Klima-/Energieexperte, sondern Physiker für Strömungsmechanik. Seine Publikationen erfolgen oft in Medien ohne inhaltliche Überprüfung. Fachmagazine mit inhaltlicher Prüfung äußern regelmäßig, dass in wesentlichen Punkten seiner Annahmen Überarbeitungsbedarf besteht, bevor seine Schlüsse zu rechtfertigen seien“, war jüngst in einem Schreiben zu lesen, das dem Initiator des Erlebnismuseums Fördertechnik, Norbert Axmann, sowie den Vorständen des angeschlossenen Fördervereins zugegangen ist. Darin forderten die Geschäftsführer der „Zenaga Foundation“ gGmbH (Adersbach) und der KliBA GmbH (Heidelberg), Kai Georg Zimmermann und Dr. Klaus Keßler, sowie Peter Volz von der hiesigen Agendagruppe „Erneuerbare Energien“, den Referenten wieder auszuladen.

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Foto: Alexander Becker

„Unser Ziel ist, allen Menschen Zugang zu sauberer Energie und einer intakten Umwelt zu verschaffen“, betonte Zimmermann, der außerdem Aufsichtsratsmitglied der Bürger-Energiegenossenschaft Kraichgau ist. Er schätze die Arbeit des Erlebnismuseums Fördertechnik sehr, doch hier sei Kritik angebracht. Lüdecke gilt als zentraler Akteur der organisierten Klimawandel-Leugnerszene in Deutschland. Außerdem gehört er dem Fachbeirat des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE) an, das dementsprechende Thesen vertritt. Das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg hat Lüdeckes Thesen öffentlich zurückgewiesen und sich von ihm distanziert. Zimmermann kritisierte auf Nachfrage der RNZ weiterhin Lüdeckes Nähe zur AfD, die ihn mehrmals als Sachverständigen geladen hatte.

„Der Referent vertritt keine konträre Meinung, argumentiert stattdessen mit widerlegten Argumenten“, bemängelte derweil der „KliBA“-Geschäftsführer und zitierte stattdessen Professor Stefan Rahmstorf des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: „Es kann mittlerweile eigentlich keinen Zweifel mehr daran geben, dass der Mensch die Ursache für die Erderwärmung der letzten gut 100 Jahre ist.“ Abschließend bemerkt Dr. Keßler: „Ich möchte nicht dem Museum schaden, bitte aber um mehr Sensibilität bezüglich künftiger Referenten. Gerade wenn es um solch brisante Themen geht, muss man aufpassen, wem man eine Plattform bietet.“

Doch warum tut dies das Erlebnismuseum Fördertechnik trotzdem? „Wir haben Professor Lüdecke auf Wunsch eines Mitglieds im Förderverein eingeladen“, erklärte der pädagogische Leiter der Einrichtung, Konstantin Eck. Er betonte jedoch, dass dort veranstaltete Vortragsreihen nicht zwangsläufig die Auffassung des Museums oder des Fördervereins widerspiegelten.

Dem einen oder anderen Mitglied scheint dies allerdings nicht recht zu sein. „Es ist mir ein Rätsel, wie das Museum sich derart in die Nesseln setzen und desavouieren kann und somit den Ruf massiv schädigt“, ließ Karl-Heinz Schneckenberger die RNZ wissen. Weiterhin kündigte er an, aus dem Museums-Förderverein austreten zu wollen, wenn diese Veranstaltung stattfände. Peter Volz von der Agendagruppe „Erneuerbare Energien“ stimmte stattdessen deutlich moderatere Töne an: „Ich unterstütze die Argumentation von Dr. Keßler, aber man kann ja schließlich niemandem verbieten, den Vortrag zu besuchen.“

Info: Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Der Vortrag „Naturgesetzliche Schranken der Energiewende“ von Prof. Horst-Joachim Lüdecke soll heute Abend im Erlebnismuseum Fördertechnik, Untere Au 4, gehalten werden. Von Alexander Becker

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Sinsheimer Nachrichten vom Mittwoch, 10. Juli 2019, Seite 3


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