Hirschberger Energiebericht 2018

"Wir sind nicht da, wo wir sein wollten"

KliBA-Geschäftsführer sieht noch Potenzial bei energetischer Optimierung - Stromverbrauch gesunken

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Der Rückgang im Wärmebereich bei den kommunalen Gebäuden ist auch auf die Sanierung der Martin-Stöhr-Schule zurückzuführen. Foto: Dorn

Licht und Schatten bei den Liegenschaften der Gemeinde sah am Dienstag in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt Bürgermeister Ralf Gänshirt angesichts des von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA) Heidelberg vorgelegten Energieberichts für das Jahr 2018.

Dieser zeigt beispielsweise, dass der Stromverbrauch der untersuchten 14 Gebäude mit gut 536.000 Kilowattstunden im Jahr 2018 um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken ist. Sogar fast 15 Prozent betrug der Rückgang in Kilowattstunden für die Bereitstellung von Wärme für Warmwasser oder Heizung.

KliBA-Geschäftsführer Klaus Keßler wies jedoch darauf hin, dass dieser starke Rückgang auf die recht warmen Wintermonate des Jahres 2018 zurückzuführen sei. Der von den Witterungseinflüssen bereinigte Wert zeige zwar immer noch einen Rückgang, doch betrage dieser nur noch 4,2 Prozent. Diesen Rückgang im Wärmebereich führte er auf die Sanierung der Martin-Stöhr-Schule und das Vorhandensein eines nun ständig für die energetische Optimierung zuständigen Mitarbeiters der Gemeinde zurück.

Nicht so optimal sieht es dagegen beim Wasserverbrauch aus, der um fast 71 Prozent auf über 17.000 Kubikmeter anstieg. Dies hing mit den trockenen Sommermonaten des Vorjahres zusammen, waren sich Gänshirt und Keßler einig. Dadurch wurden die Rasenplätze im Sportzentrum vermehrt gewässert.

Positiv entwickelten sich durch diese Energiebilanz die Kohlendioxid-Emissionen, die um fast acht Prozent von 2017 auf 2018 zurückgingen. Einen noch stärkeren Rückgang bei den Kohlendioxid-Emissionen gibt es, wenn man bis in das Jahr 2003 zurückblickt. Seitdem sind diese sogar um 35 Prozent gesunken. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass alte Ölheizungen durch moderne Holzhackschnitzel- oder Holzpelletheizungen ersetzt wurden, die nur noch einen geringen Anteil an Kohlendioxid-Emissionen aufweisen. "Dieser entsteht bei der Herstellung der Pellets beziehungsweise Hackschnitzel", erläuterte Keßler.

Gestiegen sind dagegen von 2003 bis 2018 die Energiekosten, und zwar von etwa 230.000 Euro auf nunmehr rund 360.000 Euro. Das sei vor allem auf die generellen Preissteigerungen für die Bereitstellung von Energie zurückzuführen, so Keßler. Der KliBA-Geschäftsführer hatte aber diesbezüglich eine gute Nachricht für die Gemeinde. Hätte man nämlich keinerlei energetische Optimierung bei den gemeindeeigenen Liegenschaften vorgenommen, würden die zu zahlenden Energiekosten heute um 100.000 Euro höher liegen. "Wir sind aber nicht da, wo wir sein wollten", gab Keßler auf Nachfrage von Christian Würz (CDU) bezüglich der energetischen Optimierung der Gebäude zu. So habe man sich im vergangenen Jahr vor allem das Hilfeleistungszentrum angeschaut und dort die Heizungssteuerung optimiert. In der Martin-Stöhr-Schule wurden die Heizungspumpen erneuert.

Für die nahe Zukunft sei geplant, fern auslesbare Zähler bei den größeren Liegenschaften zu installieren, um etwa festzustellen, ob der Verbrauch an Wochenenden oder in den Nächten ansteigt, sodass man rasch entsprechend reagieren könne. Auch sei geplant, alle Gebäude dahingehend zu untersuchen, ob mit "geringinvestiven" Verbesserungen noch mehr Energie eingespart werden könne.

Oliver Reisig (FDP) sah in dem Bericht das richtige Werkzeug, um zu erkennen, was zu tun ist. Eva-Marie Pfefferle (SPD) sprach sich zudem dafür aus, in einen zukünftigen Energiebericht die Straßenbeleuchtung und den Strombedarf der Pumpen für die Wasserversorgung mit einzubeziehen. "Es geht in die richtige Richtung, und natürlich gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten", stellte dementsprechend Bernd Kopp (Freie Wähler) fest.

Diese Möglichkeiten sah Monika Maul-Vogt (GLH) etwa darin, kleinere Liegenschaften wie die Schillerschule oder die Alte Villa, die bisher nicht untersucht wurden, in den Energiebericht aufzunehmen. Darüber hinaus sollte nach Ansicht von Gänshirt ein gezielt auf die Gemeinde abgestimmtes Klimaschutzkonzept erstellt werden, bei dem die Ist-Situation erfasst wird und sinnvolle Verbesserungen aufgezeigt werden.

Von Stefan Zeeh,

Rhein-Neckar Zeitung - Ausgabe: Bergstraße/Mannheim/Weinheim, 5.Dezember 2019


 



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