Was ein Kesselaustausch alles bewirken kann

Vortrag „energetische Gebäudesanierung“ – Leutershausen Ortskern II: Bis 2022 Förderung beantragen

Hirschberg-Leutershausen. „Chancen und Potenziale energetischer Gebäudesanierung“ nannte sich der Vortrag in der Alten Synagoge, hinter dessen Titel viel mehr steckte als nur Informationen zum Sanierungsgebiet „Leutershausen Ortskern II“.

Thomas Nabbefeld von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA) war gekommen, um interessierten Bürgern zu verdeutlichen, was alles möglich ist, um sein Eigenheim nicht nur wärmer, sondern auch effizienter zu machen. Gemeinsam mit Marie-Luise Bischof, Team- und Projektleiterin im Bereich Stadterneuerung bei der Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG), fasste er Sanierungsmöglichkeiten, Solarenergie und Fotovoltaik sowie unterschiedliche Fördermöglichkeiten in einem Vortrag zusammen. Viele Bürger waren nicht gerade gekommen, das Interesse der Anwesenden war aber äußerst groß und verwandelte den Vortrag in einen lebhaften Dialog zwischen Experten und Laien.

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Thomas Nabbefeld von der KliBA (li.) und Marie-Luise-Bischof (2. v. .li.) von der STEG fassten beim Vortrag Sanierungsmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten zusammen. Foto: Dorn

Besonders interessant schien dabei die energetische Gebäudesanierung zu sein. Denn mit den steigenden Temperaturen aufgrund des Klimawandels gehen auch höhere Werte der Kohlenstoffdioxid-Belastung der Umwelt einher. Allein Deutschland zähle, nach dem Stand von 2012, zu den zehn größten CO2-emittierenden Ländern weltweit, so Nappefeld. Dabei spiele der Wohnbereich bei der persönlichen Emission eines jeden Deutschen eine große Rolle, dicht gefolgt von der Mobilität, so Nappefeld weiter. „Rund 90 Prozent der Energie werden für Wasser und Raumwärme benötigt“, sagte er.

Zwar hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, dass bis 2050 alle Gebäudebestände nahezu klimaneutral sein sollen, ohne die Eigentümer funktioniert das aber nicht. Eine Sanierung kann nicht nur kostspielig sein, sondern auch auf lange Sicht Kosten einsparen.

Allein der Austausch von einem Konstanttemperaturkessel, bei einer Zentralheizung, durch einen Brennwertkessel kann den Bedarf von ursprünglich 26 Litern Öl pro Quadratmeter jährlich auf 19 bei einem Haus mit Baujahr 1970 reduzieren. Wenn man nun auch noch die Fenster erneuert, die Kellerdecke saniert, die Außenwände dämmt und das Dach herrichtet, kann der Bedarf sogar auf neun Liter Öl gesenkt werden.

Ergänzt man dann den Brennwertkessel mit einer Solarheizung für Warmwasser und einer Abluftanlage, kann der Bedarf auf unter sieben Liter Öl pro Quadratmeter jährlich fallen.

Nabbefeld ergänzte zwar, dass an diesem Beispiel nur der Bedarf verdeutlicht werde und der letztendliche Verbrauch subjektiv sei, die Darstellung zeigte dennoch deutlich auf, wie viel Öl man mit einer Sanierung sparen kann und wo die Schwachstellen in den älteren Häusern liegen. „Eine Sanierung spart nicht nur Energiekosten ein, sondern steigert auch den Wert und verhindert die Bildung von Schimmel“, erklärte der Experte.

Auch die Sonne kann zur Erzeugung von Wärme und Energie verwendet werden, wie es bei Solarkollektoren oder einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Fall ist.

Attraktiv soll die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden innerhalb des Gebiets „Leutershausen Ortskern II“ durch Förderungen gemacht werden. Bis 2022 sei es noch möglich, Fördergelder zu beantragen, danach laufe die Bewilligung der Gelder aus, sagte Marie-Luise Bischof von der STEG. Bislang wurden so sieben private Erneuerungsmaßnahmen und eine private Ordnungsmaßnahme in Leutershausen vorgenommen.

Acht private Maßnahmen

Wichtig jedoch ist, dass die Gelder nicht beantragt werden können, wenn die Sanierung bereits abgeschlossen oder gerade im Gange ist. Die Maßnahmen müssen mit den Zielen der Sanierung übereinstimmen und wirtschaftlich vertretbar sein, hierzu muss im Voraus ein Vertrag abgeschlossen werden.

Grundsätzlich laufe eine Sanierung in sieben Schritten ab, erklärte Bischof. Zuerst werde ein Beratungsgespräch mit der Gemeinde oder der STEG vereinbart, anschließend erhebt ein Bautechniker der STEG vor Ort Mängel und erstellt einen Bericht über die Kostenschätzung der empfohlenen Sanierungsmaßnahmen. Danach komme es zu einem Gespräch über die erforderlichen Baumaßnahmen, die Förderung und die Gestaltung. Wenn sich die Gemeinde und der Besitzer über das Vorhaben einig geworden sind, werden die Ziele in einem Vertrag festgehalten, und das Bauvorhaben beginnt.

Rechnungen, die dabei anfallen, muss der Besitzer sammeln, um sie bei der STEG einzureichen zu können. Nach Ablauf der Bauarbeiten werden diese geprüft, eine Schlussabrechnung erstellt, die letzten Fördermittel ausgezahlt, und eine Steuerbescheinigung kann bei der Gemeinde beantragt werden. Bis zu 30 000 Euro können bei einem Hauptgebäude und bis zu 10 000 Euro bei einem Nebengebäude durch die Förderung erstattet werden. (capa)

Bergstraße/Mannheim - Weinheimer Rundschau vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 5

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