Hier steht Hightech im Heizungskeller

Matej Satovic aus Schwetzingen hat sich eine umweltfreundliche Brennstoffzellenanlage angeschafft – Förderung vom Land

Schwetzingen. Es hört sich ein wenig nach Weltraum und Science Fiction an. Strom und Wärme mittels einer kalten Verbrennung gewinnen – und das außerordentlich geräuscharm und dazu sehr umweltfreundlich. Man ist zwar nicht völlig unabhängig von den großen Energieversorgern, aber doch autarker als die lieben Nachbarn. Was sich nach ferner Zukunft anhört, ist längst Realität im Keller eines Hauses in Schwetzingen. Hier steht seit rund einem Jahr eine Brennstoffzellenanlage, die Strom und Wärme mit Hilfe der kalten Verbrennung gewinnt.

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Bild: Lenhardt

Im Grunde funktionieren Brennstoffzellen, erläutern Klaus Keßler und Thomas Nabbefeld von der „Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg“ (KliBA) im Rahmen einer kleinen Präsentation dieser etwa kühlschrankgroßen Anlage, nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Das heißt, sie erzeugt Strom und nutzt zugleich die Abwärme als Heizenergie.

Anders als bei der normalen Kraft-Wärme-Kopplung steht hier jedoch kein Verbrennungsmotor am Anfang, sondern Brennstoffzellen, die durch eine kontrollierte elektrochemische Reaktion auf Basis von Erdgas und Sauerstoff – die sogenannte kalte Verbrennung – Energie gewinnen. Viel mehr Wirkungsgrad, betonen die beiden KliBA-Männer, gehe nicht. „Es ist eine enorm effektive und nachhaltige Energiegewinnungsmethode.“

Für Hausbesitzer Matej Satovic ist die Anlage jedoch mehr als das. Die Brennstoffzellen sind für ihn eine Art Statement. Und zwar für eine Wende hin zu einer nachhaltigen und dezentralen Energieversorgung und gegen fossile oder atomare Großenergieversorgungssysteme. Der Klimawandel sei Realität und es liege an jedem Einzelnen, wie dramatisch er sich entwickle. Gerade im Bereich Haus entstünden enorme Kohlendioxid-Emissionen, und durch die Brennstoffzellen gelinge hier eine deutliche Reduktion.

Gegenüber der getrennten Strom- und Wärmeerzeugung sinke der CO2-Ausstoß um bis zu 40 Prozent. Auch Feinstaub sei durch die Brennstoffzellen kaum noch ein Thema. Deswegen versteht der junge Familienvater nicht wirklich, dass in Sachen Energieversorgung immer gleich von der Amortisierung der Kosten gesprochen werde. „Beim Kauf eines Autos spricht doch auch niemand davon, dass sich die Investition bald bezahlt machen muss.“

Natürlich müssten Brennstoffzellen bezahlbar sein. Aber der Schutz der Umwelt ist ihm augenscheinlich ein ebenso wichtiges Thema. Mehrausgaben seien angesichts der Gefahren des Klimawandels jedenfalls mehr als nur vertretbar, macht Satovic deutlich.

Darüber hinaus, so der Schwetzinger Klimaberater Patrick Cisowski, hätten sich die Kosten für diese wartungsarme Technologie in den vergangenen Jahren annähernd halbiert. „Heute sind Brennstoffzellen nicht viel teurer als konventionelle Heizungen.“ Im Haus der Familie Satovic schlug die Anlage mit rund 27 000 Euro zu Buche. Hinzu kamen dann noch die Kosten des Einbaus. Vom Land bekam der Hausherr dafür eine Förderung in Höhe von 12 000 Euro. Mit den Einsparungen von 800 Euro allein im ersten Jahr könne von einer umweltbewegten Fehlinvestition nicht mehr wirklich gesprochen werden.

Wer sich sowieso um eine neue Heizung kümmern müsse, sollte in Satovics Augen über Brennstoffzellen nachdenken. „Dies ist eine echte Alternative.“ Von Stefan Kern

Fi Info: Informationen zu Brennstoffzellen im eigenen Haus bietet neben dem Schwetzinger Klimaschutzbeauftragten Patrick Cisowski – Telefon 0620287481, E-Mail patrick.cisowski@schwetzingen.de – auch die Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg an. Kontakt: Thomas Nabbefeld, Telefon 06221/998750 oder E-Mail t.nabbefeld@kliba-heidelberg.de.

Wieslocher Nachrichten - Walldorfer Rundschau vom Dienstag, 9. Januar 2018, Seite 10 (12 Views)

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