Viele kleine Schritte ergeben ein großes Bild

Klimaschutzprojekt: Kinder der Hirschackerschule machen sich Gedanken über ihre Zukunft / Auf der Suche nach Klimakillern und nachhaltigen Ideen

Von Anna Koob

In diesem Moment hätte Patrick Cisowski sicherlich jede Prognose unterschrieben, die besagt, dass Schwetzingen auf einem guten Weg raus aus dem Klima-Albtraum ist. Wer solche Kinder in der Stadt als künftige Bürger heranwachsen sieht, der kann sich auch als Klimaschutzbeauftragter der Verwaltung sicher sein, dass hier eine Generation heranwächst, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist.

„Windräder statt Kohlekraftwerke“, erklärte Fiona und Jannik ergänzte: „Elektroautos.“ Vanessa findet, dass man sich die Haare nicht föhnen müsse und Luisa verzichtet künftig auf Fleisch, erklärt sie. Patrick Cisowski nickt und ist damit nicht alleine, denn auch Anita Köhler ist beeindruckt, wie schnell die Schüler der Klassen 4 a und b der Hirschacker-Grundschule das Gelernte in den Alltag übersetzen können. Die Diplom-Ingenieurin ist im Auftrag der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur KLiBA, Heidelberg, in den Hirschacker gekommen.

Das Projekt „Energie und Klimaschutz“ hat sie mitgebracht und in einer ersten Runde über den Treibhauseffekt gesprochen. Wenn die Erde schwitzt, dann kann es ihr nicht gut gehen – das verstanden die Zehnjährigen.

In einem Versuch erkannten sie, dass sich unter einem Glasdeckel CO2 bildet. Schlecht für die Erde, schlecht für die Menschen. Mit ihren Energiemessgeräten waren sie nach Hause gegangen und hatten dort nach Klimakillern Ausschau gehalten. Eine spannende Jagd durch die eigenen vier Wände. „Wir arbeiten nicht mit dem erhobenen Zeigefinger“, sagt Köhler, „aber es geht darum, die Kinder neugierig zu machen.“ Das braucht es auch, denn es geht um ihre eigene Zukunft. „Bisher haben wir uns schon mit Wasserverschmutzung und dem Wald beschäftigt“, erläuterte Gisela Heim, Klassenlehrerin der 4b, „Nachhaltigkeit als Thema aber ist neu.“

Und die gab es daher jetzt gleich einmal zum Anfassen. Wie viele Räder braucht ein Wasserrad, um arbeiten zu können – ein Bastelprojekt aus einem Schaschlik-Spieß und einem Aluhütchen gab Auskunft. Andere Kinder bastelten aus Kartoffeln eine kleine Batterie. Dass Solarzellen effektiv arbeiten, wenn sie in der Sonne sind, belegten andere. Fiona und Laurina waren stolz auf ihr neu erworbenes Wissen, das sie auch schon nach Hause getragen haben. Doch die Erwachsenen tun sich schwer, berichteten sie. Immer mit dem Fahrrad fahren? Schwierig in den Familienalltag einzubauen!

Fortwährende Thematisierung

Fiona setzt daher auf Gemüse aus dem eigenen Garten. Sogar Blumenkohl schmeckt ihr inzwischen. Nur die Sache mit der täglichen Banane müssen sich die Mädchen nochmal überlegen. Die kommt schließlich mit dem Flugzeug nach Deutschland. Wäre da nicht ein leckerer Apfel aus dem Odenwald besser? Auch Matteo und Jannik rätselten, was sich noch verbessern lässt: Play-Station und TV öfter mal ausschalten? Mehr Obst und Joghurt essen? Da kommt aber erneut das frische Wissen in die Quere. Wenn Kühe kauen und kauen und nochmals kauen, dann entsteht Methan, das sie ausstoßen und dieses wiederum sorgt für schlechtes Klima.

Und auch der Verzicht auf Fleisch muss nochmal in die Denkkiste. Denn wenn nur wenig gegessen wird, dieses aber dann gegrillt – dann ist auch hier der Verbesserungswert gleich Null. Anita Köhler hilft beim Überlegen: „Spielsachen und Kleidung tauschen, Bücher tauschen?“ Und schon weiß eines der Mädchen Bescheid: „Wir können viel mehr recyceln.“ Immer und immer wieder werden die Kinder diesen Themen während ihrer Schulzeit begegnen, denn „sie ist wichtig, diese fortwährende Thematisierung“, so Köhler, „schließlich ergeben viele kleine Teile einen großen Schritt.“

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