Umweltpädagogik ohne erhobenen Zeigefinger

Schüler der vierten Klassen der Hirschackerschule machten sich bei einem Energieprojekt der KLiBA Gedanken über ihre Zukunft

Von Anna Becker

Schwetzingen. Sie sollen Multiplikatoren sein: in den Familien, unter Freunden, in der Nachbarschaft. „Und das klappt“, freute sich Anita Köhler. Die Diplom-Ingenieurin arbeitet für die Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur KLiBA in Heidelberg und besuchte jetzt bereits zum zweiten Mal die Kinder der vierten Klassen in der Hirschackergrundschule. Das Energieprojekt soll Wissen vermitteln und Verhaltensmuster aufdecken, die geändert werden können.

„Viele Klassen berichten im Nachgang, dass sie selbst einiges geändert haben: Klassenausflüge werden jetzt mit dem Fahrrad gemacht, das Picknick ist vegetarisch und neben Fahrgemeinschaften zur Schule gibt es jetzt schon stromfreie Vormittage in den Klassenzimmern“, zeigte sich Köhler für die Zukunft zuversichtlich.

Auch der Umweltbeauftragte der Stadt, Patrick Cisowski, der sich selbst ein Bild vom Energieprojekt in den Klassen machte, freute sich über das nachhaltige Wirken in der Generation, die bald schon die Erde schultern soll.

Das Projekt „Energie und Klimaschutz“ war bereits in der Woche zuvor thematisiert worden. Die Kinder hatten den Auftrag erhalten, zuhause nach Stromfressern Ausschau zu halten und sich über den Lebensstil der eigenen Familie Gedanken zu machen. Wie essen wir, wie bewegen wir uns und im Umkehrschluss: Was können wir vermeiden? Es sei kein Unterricht mit erhobenem Zeigefinger, betonte Köhler, sondern ein Bewusstwerden der eigenen Situation.

Auch für Klassenlehrerin Gisela Heim war das Energieprojekt ein wichtiges Detail in der Umweltbildung, denn bislang hatten sich die Kinder zwar mit dem Wasser und dem Wald beschäftigt, aber eben noch nicht mit der Ressourcenschonung und Erderwärmung. Wie man ihr begegnen kann, zeigten Kartoffelstrom, Wasserräder zum Selbstbasteln und Solarzellen.

Das Resümee der Kinder? Co2 einzusparen und damit die Umwelt zu retten, ist eigentlich nicht so schwierig. Schließlich könne man mehr Gemüse essen, Fleisch vermeiden, mit dem Fahrrad fahren und Kleider oder Spielzeug tauschen. Und wenn dann noch die Play Station öfter mal ausgeschaltet wird, dann ist der Weg schon ein ressourcenschonender.

Das, so betonten die Kinder, müssten sie aber erst noch einmal ihren Eltern erläutern. Denn die tägliche Banane oder das Fleisch auf dem Grill könne durchaus gegen einen Apfel aus der Region oder eine vegetarische Alternative ohne Holzkohle eingetauscht werden. Vielleicht lässt sich dann auch die Mama zu einer Fahrt mit dem Rad statt mit dem Auto überreden?

© Schwetzinger Nachrichten vom Freitag, 21. Juli 2017, Seite 5

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