„Ganz schön verblüfft“ beim Stromspar-Check

Wie können einkommensschwache Haushalte Energiekosten sparen? – Caritasverband bietet kostenfreie Beratungen an

Sinsheim. Ein Mehrfamilienhaus am Rand der Sinsheimer Gartenstadt. Hier soll ein Stromspar-Check stattfinden, den im Kraichgau die Caritas anbietet. Das kostenfreie Angebot richtet sich an Bezieher sozialer Leistungen und Menschen mit niedrigem Einkommen. Stromsparhelfer – selbst Langzeitarbeitslose, die an einer Umschulung teilgenommen haben – besuchen die Haushalte, tauschen Energiefresser aus. Dadurch ließen sich Energiekosten durchschnittlich zwischen 100 und 150 Euro pro Jahr drücken, sagt der Sozialverband.

> Wer ist berechtigt? Bezieher von Arbeitslosengeld II, Sozial- und Wohngeld, die meisten Bezieher des Kinderzuschlags, Menschen in Altersarmut, Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien, die für Strom selbst aufkommen; außerdem Personen, die vom Rundfunkbeitrag befreit sind, Inhaber lokaler Sozialpässe sowie Personen, deren Einkommen unter dem Pfändungsfreibetrag liegt.

> Wie kommt der Kontakt zustande? Meistens über die Beratungsgespräche der Caritas, wie Stephan Dugeorge, Sozialarbeiter in der Caritas-Zweigstelle in der Muthstraße, schildert. Koordiniert werden die Checks von seiner Wieslocher Kollegin Tabea Schirner. Zwischen Kontaktaufnahme, Bedarfsermittlung und erstem Ortstermin vergehen in der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Auch Infostände vor Tafel-Läden und anderen sozialen Anlaufstellen machen auf die Checks aufmerksam.

> Stromspar-Check: Das Angebot besteht aus zwei Terminen. Beim ersten Treffen werden die Verbrauchswerte von Waschmaschinen, Elektroherden, Kühlschränken, Lampen, Computern, Warmwasserbereitern oder Fernsehgeräten ermittelt, teils durch Langzeitmessungen. Dann gibt es qualifizierte Tipps, wie sich der Verbrauch mit einfachen Mitteln senken lässt. Oft stehen Radiatorheizungen als Zusatzgeräte in den Zimmern – „ein einfacher Zehn-Euro-Lüfter“, sagt Stromsparhelfer Thomas Ulzhöfer, „bläst einen Raum in drei Minuten warm“. Eine Elektroheizelement brauche hierzu oft eine halbe Stunde oder länger. Ein Zweittermin wird vereinbart.

> Bessere Birnen, sparsame Duschköpfe: Beim zweiten Termin, der oft binnen 14 Tagen erfolgt, werden kostenlos LED-Lichtbirnen, Thermo- und Hygrometer, Wasserperlatoren und Wassersparduschköpfe, WC-Stoppgewichte oder schaltbare Steckerleisten eingebaut. „Diese LED-Birne“, sagt der frühere Radio- und Fernsehtechniker Ulzhöfer, „hat eine Leistung von acht Watt – sie ersetzt eine konventionelle 40-Watt-Birne.“ Maßnahmen, die immerhin rund 15 Prozent der Stromkosten einsparen und dementsprechend weniger CO2 verbrauchen. Seit 2009 haben rund 271 000 Haushalte mit geringem Einkommen am Stromspar-Check teilgenommen. In Sinsheim, wo seit 2015 gecheckt wird, waren es 110 Haushalte; im gesamten Rhein-Neckar-Kreis 891 Haushalte.

> Weitere Tipps: „Ganz schön verblüfft“, sagt Tabea Schirner, reagierten ihre Klienten, „wenn man ihnen den Standby-Stromverbrauch zeigt.“ Ein solcher könne in einem Fünf-Personen-Haushalt „schon mal bei 100 Euro jährlich liegen.“ Im Rahmen des Checks könnten Bezieher von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld auch einen 150 Euro-Gutschein für den Kauf eines energieeffizienten Kühlschranks oder einer Kühl-Gefrier-Kombi erhalten. Das Austauschgerät muss älter als zehn Jahre sein, das Neugerät mehr als 200 Kilowattstunden pro Jahr einsparen. Dadurch könne mancher Haushalt die Stromrechnung um bis zu 80 Euro pro Jahr reduzieren. Zu hohe Erwartungen will Tabea Schirner allerdings nicht wecken: Pauschalaussagen seien „auch wegen steigender Strompreise schwierig.“ Letzten Endes spiele auch persönliches Verhalten und der Gesamtzustand der Wohnungen – etwa ob Alt- oder Neubau – mit hinein.

> Stromsparhelfer sind selbst langzeitarbeitslose Menschen. Nach einer Einweisung durch Trainer regionaler Energieagenturen mit Einarbeitungsphase gehen sie in Zweier-Teams vor Ort. Die Caritas-Verbände werben und betreuen die Helfer im Kontakt mit dem Jobcenter. Etwas weniger als ein Viertel der Stromsparhelfer findet im Anschluss an das Projekt eine Arbeitsstelle. Im Rhein-Neckar-Kreis übernimmt die Energieberatungsagentur „KliBA“ die Schulung und das Projekt-Controlling. Die beim Check geplanten Maßnahmen werden wiederum von „KliBA“-Fachleuten gegengecheckt.

> Wann wird Strom abgestellt? Grundsätzlich gilt: Keine Sperre bei weniger als 100 Euro Stromschulden. Auch in Härtefällen darf Strom nicht abgestellt werden, etwa wenn die Versorgung von Kleinkindern oder Pflegebedürftigen gefährdet würde oder gesundheitliche Schäden drohten, wenn die Heizung nicht mehr funktioniert.

> Wie lange läuft das Projekt? Die Caritas im Rhein-Neckar-Kreis konnte sich die Finanzierung bis 2019 sichern. Dann steht eine neue Finanzierungsrunde ins Haus. Das heißt: Die Checks laufen mindestens noch das ganze Jahr 2018, wahrscheinlich auch danach. Von Tim Kegel

Fi Info: Caritasverband für den Rhein-Neckar Kreis; Standort Sinsheim, Muthstraße 18, 74889 Sinsheim, Telefon: 07261 / 2382, E-Mail: standort.sinsheim@caritas-rhein-neckar.de

Sinsheimer Nachrichten vom Samstag, 16. Dezember 2017

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