Zahlreiche Einsprüche gegen Nordstadt-Bebauungsplan

Überarbeiteter Vorentwurf wird erneut offengelegt – Gemeinderat hält am Nahversorgungs-Energiekonzept fest

Ladenburg. (stu) Ein Stückchen näher gekommen ist der Gemeinderat dem Ziel, die Rechtskraft des derzeit wichtigsten Bebauungsplans Ladenburgs, „Nordstadt-Kurzgewann“, auf den Weg zu bringen. Nach der ersten Offenlage gab es von Behörden und Bürgern 20 Einsprüche, die in der Sitzung am Mittwochabend behandelt wurden. Auch am voll besetzten Zuschauerbereich war erkennbar, dass viele Anwohner Bedenken gegen die Bebauung haben. Sie befürchten, dass das Neubaugebiet ihre Interessen beeinträchtigen könnte.

Ein Bürger sagte, dass der Standort der Nahwärmeversorgung zu Lasten der Bewohner der Weihergärten gehe, denn es seien Lärm- und Feinstaubnachteile zu befürchten. Auch das Hebewerk am ehemaligen Gelände der Kleingartenanlage bereitet Sorgen. Ein Bürger forderte im Namen von 20 Anwohnern, die Anlage mit den modernsten Filteranlagen auszustatten, damit die Geruchsbelästigungen minimiert werden.

Dietmar Glup, vom Planungsbüro Sternemann und Glup, stellte die Einwände detailliert vor. Er informierte über Anregungen der Naturschutzverbände, fledermausverträgliche Beleuchtungen umzusetzen. Er empfahl, die geplante 610 Meter lange Lärmschutzwand am städtischen Friedhof zu verkürzen, da es die Deutsche Bahn abgelehnt habe, sich finanziell an den Arbeiten zu beteiligen.

Bei den Einwänden der Bürger gab es teilweise kuriose Forderungen. Ein Bürger forderte zum Beispiel, im neuen Wohngebiet Wohnmobilstellplätze einzurichten. Andere wollten mit ihren Einwänden noch einmal unterstreichen, dass der soziale Wohnungsbau gefördert werden und Barrierefreiheit einen hohen Stellenwert haben solle.

Bürgermeister Stefan Schmutz sagte zu, jeden Einwand auf seine Umsetzbarkeit zu prüfen. Dafür nimmt die Verwaltung auch in Kauf, dass sich der Prozess rund um den Bebauungsplan verzögert. Denn der abgeänderte Entwurf wird erneut für eine Offenlage vorbereitet. So können Bürger wieder Anregungen einbringen. Schmutz ist zuversichtlich, dass der Bebauungsplan noch vor der Sommerpause verabschiedet werden könne.

Auch von der SPD und den Grünen eingebrachte Anträge sind im neuen Vorentwurf enthalten. Die Sozialdemokraten setzten durch, dass separate Energieerzeuger in den Vorgärten nicht zugelassen werden. Die Grünen wollen, dass ein Viertel der Begrünung durch Gehölze oder Heckenanpflanzungen abgedeckt werden.

Auch der Tagesordnungspunkt „Vorgehen zur Sicherstellung einer Zentralen Wärmeversorgung“ wurde diskutiert. Alle Fraktionen sicherten den Bürgern zu, dass ihre Anliegen ernst genommen würden. Das Gremium war sich jedoch weitgehend einig, dass eine zentrale Wärmeversorgung die effektivste Möglichkeit sei. Die Ratsmehrheit beschloss daher, 555 000 Euro freizugeben, um die Firma H&S Projektentwicklung mit der Konzeption und dem Bau des Nahwärmenetzes zu beauftragen. Netzeigentümer soll die Stadt sein. Eine europaweite Ausschreibung muss nun auf den Weg gebracht werden. Das Vergabemanagement wird von der Kliba in Heidelberg überwacht, die dafür und für die Ausschreibung 22 400 Euro erhält.

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Bergstraße/Mannheim - Weinheimer Rundschau vom Freitag, 27. April 2018, Seite 6